BVG – Kompensation tieferer Umwandlungssatz

Sehr geehrter Herr K.

Von einem Westschweizer Berufskollegen sind mir gestern „Effets comparés du modèle de compensation de la CSSS-N et du modèle du Conseil des Etats“ zugeschickt worden.

Nach Anregungen anlässlich der Parlamentsdebatten habe ich mich im letzten Herbst intensiv mit dem Problem der Senkung des BVG-Umwandlungssatzes und dessen Kompensation befasst. 

Nach Durchsicht der „Effets comparés“ gestatte ich mir eine Frage und eine Bemerkung.

Die Frage. Haben Sie bei der Berechnung der Gesamtkosten berücksichtigt, dass für die Kompensation nur die Vorsorgeeinrichtungen mit BVG-Minimalplänen konkret betroffen sind? Vorsorgeeinrichtungen mit umhüllenden Vorsorgeplänen haben bzw. mussten in den meisten Fällen ihren Umwandlungssatz längst senken (meist tiefer als 6.0) und die Kompensation individuell finanzieren (höhere Beiträge, Verwendung der Kapitalerträge). Die im Gesetz vorgesehene Senkung des gesetzlich vorgeschriebenen Umwandlungssatzes und der gesetzlichen Minimalbeiträge führen ab 2020 bei umhüllenden Vorsorgeeinrichtungen lediglich zu einer Anpassung der Schattenrechnung.

Nach meiner Schätzung sind kaum mehr als 30 % der Arbeitnehmer in BVG-Minimalkassen versichert, wären somit von einer Beitragserhöhung zwecks Kompensation in der Praxis und ab 2020 effektiv betroffen. Und nur diese zusätzlich durch Parlamentsbeschluss in der Zweiten Säule ausgelösten Kompensationskosten müssten m.E. und könnten überhaupt in einem realen Vergleich mit den Kosten einer generellen AHV-Erhöhung herangezogen werden.

Zumindest müsste dieser Sachverhalt in die kommende Debatte einfliessen. Die Zweite Säule funktioniert nach liberalen Grundsätzen, das Gesetz regelt nur die Minimalleistungen. Dies im Unterschied zur Ersten Säule, die durchreguliert ist.

Und zumindest wird durch diesen Sachverhalt deutlich, dass die Kompensation des Umwandlungssatzes innerhalb der Zweiten Säule erfolgen muss.

Die Bemerkung. Die Höhe der Beitragssätze bzw. deren Staffelung bzw. der Koordinationsabzug kann unterschiedlich festgelegt werden. Nach meiner Untersuchung resultiert beim „Modèle de la CSSS-N“ eine recht starke Erhöhung der BVG-Minimalrenten und Jahresbeiträge in den unteren Lohnsegmenten, also eine Überkompensation des tieferen Umwandlungssatzes. Ich nehme an, dass dies so gewollt ist. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass damit die ausgelösten Gesamtkosten für die BVG-Revision eigentlich weit höher ausfallen als notwendig.

Die Untersuchung finden Sie unter

BVG – Berechnungen letzter Vorschlag Nationalrat

Die Studie mit Modellberechnungen finden Sie unter

BVG – Berechnungen BVG Vorschlag Mühlemann

Mit freundlichen Grüssen

Ka E.

 

2 Gedanken zu „BVG – Kompensation tieferer Umwandlungssatz“

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  2. E-Mail an die Arena

    Liebe Arena

    Die Senkung des Umwandlungssatzes auf 6.0 hat tiefere Altersrenten in der Zweiten Säule zur Folge. Dies kann/muss wie folgt kompensiert werden:

    1. Neuer Koordinationsabzug vom effektiven Lohn:
    Koordinationsabzug neu CHF 21’150 (bisher 24’675)
    Teilzeitbeschäftige tieferer Koordinationsabzug entsprechend dem Beschäftigungsgrad.

    2. Neue Beitragssätze vom koordinierten Lohn:
    Alter 25-34 9 % (bisher 7 %)
    Alter 35-44 12 % (bisher 10 %)
    Alter 45-54 15 % (bisher 15 %)
    Alter 55-65 18 % (bisher 18 %)
    Bei Erhöhung des AHV-Alters Verlängerung der Beitragsdauer im Gleichschritt.

    Dies kann von jedem Bürger nachgerechnet werden.

    Nach Modellrechnungen erfordert die Kompensation die Erhöhung der jährlichen Sparbeiträge um 1.27 Prozentpunkte des Lohnes, vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte zu tragen.

    Eine Aufstockung der Ersten Säule ist um Milliarden teurer. Sie bringt zudem grosse Ungerechtigkeiten. Die erhöhten AHV-Renten erhalten Personen, die gar nicht in der Zweiten Säule versichert sind, aber auch die Reichen, und auch die Personen, deren Pensionskassen die Kompensation eigenständig durchführen. Der Kanton Baselland verlangt z.B. von seinen Bürgern hiezu 61 Millionen (Basler Zeitung vom 2.3.2017). Weitere Kantone und der Bund werden folgen, mit Dutzenden von Millionen.

    Andere Rechenmodelle führen zu Verzerrungen. So bewirkt z.B. die Abschaffung des Koordinationsabzuges eine massive Erhöhung der Beiträge bei Personen mit tieferen Löhnen.

    Die aktuelle Diskussion ist verwirrend und lenkt ab. Man will verdeckt sozialpolitische Ziele oder auch persönliche Vorteile erreichen. Etwa die allgemeine AHV-Erhöhung, die vom Volke hoch abgelehnt wurde.

    Mit freundlichen Grüssen
    Ka E.

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